Medienspiegel
Neue Haltestelle am Supermarkt

Die einen freuen sich, die andern sind verärgert:
Während der Schelmengraben am Rewe-Markt eine neue Haltestelle bekommt, erteilt Eswe Ver­kehr den Behindertenverbänden eine Absage: Es wird, auch abends nach Veranstaltungen, keine Busse zum Neroberg geben. Bei zwei weiteren Haltestellen-Sorgenkindern, dem Platz der deutschen Einheit und an den, HSK, ist die zukünftige Ge­staltung noch unklar.

Alexej-von-Jawlensky-Schule wird die neue Haltestelle in der Hans-Böckler-Straße heißen, an der ab sofort die Linien 24, 27 .und 47 sowie die Nachlinie N4 halten werden. Allerdings vorerst noch im Probebetrieb: Ein trans­portables Haltestellenschild und eine Sitzbank - aus mehr wird die Haltestelle direkt an der Aus­fahrt des Rewe-Marktes zunächst nicht bestehen. Mit sogenannten Zählbussen will Eswe nun he­rausfinden. wie viele Fahrgäste die Haltestelle nutzen.

Das Problem: Die nächste Hal­testelle Stephan-Born-Straße" ist zwar gerade mal knapp 50 Meter entfernt - allerdings steil bergauf. Der Nahverkehrsplan der Stadt schreibt indes einen Abstand von 300 Metern vor . Noch im vergangenen Jahr hatte Eswe-Geschäftsführer Jörg Ger­hard die Position der Haltestelle direkt an einer Mittelinsel kurz vor beziehungsweise hinter der Einmündung der Ludwig-Er­hard-Straße als unfallfördernd" eingestuft. In die andere Rich­tung ist die nächste Haltestelle erst Dotzheim-Mitte.
Schon 2015 hatte sich der Orts­beirat mit einer entsprechenden Bitte an Eswe gewandt, war aber abgeblitzt. Nun hat sich auch der Verkehrsausschuss für einen Pro­bebetrieb ausgesprochen. Gert­-Uwe Mende, der Sprecher der SPD im Ortsbeirat, spricht von einer .bürgernahen Lösung".

Noch keine Lösung zeichnet sich hingegen an den HSK ab. Nach den derzeitigen Plänen müssten Besucher künftig von der Haltestelle bis zum Neubau bis zu 350 Meter laufen, Nun soll das Thema auf der nächsten Sit­zung des Verkehrsausschusses behandelt werden. Die findet passenderweise in den HSK statt, wo sich der Ausschuss über den Fortgang des Neubaus informieren will.

Fast ebenso lang wie der Ortsbeirat Dotzheim auf die Rewe ­Haltestelle drängt auch die Arbeitsgemeinschaft der Wiesba­dener Behindertenverbände da­rauf, den Neroberg besser anzu­binden. Birgit Berg etwa, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, klagt in einem Schreiben an Es­we, dass sie nach den Vorstellun­gen des Impro-Theaters "Für Garderobe keine Haftung" keine Möglichkeit habe, den Neroberg eigenständig ZU verlassen, Die letzte Nerobergbahn fahre bereits um 20 Uhr.

Das hat nun auch Joachim Mast, Sprecher der Arbeitsge­meinschaft, aufgegriffen. Es soll­te gesichert werden, dass "die letzte Talfahrt so festgelegt ist, dass Besucher bequem zurück ins Tal kommen", fordert er. Im sogenannten Jahresgespräch mit der Stadt hat Mast darüber hi­naus erneut einen Busverkehr zum Neroberg ins Gespräch ge­bracht. Der könne nicht nur für  Behinderte, sondern auch für Ausflügler und Touristen attrak­tiv sein.

Eswe macht nun indes weder in Sachen Nerobergbahn noch beim Busverkehr Hoffnung. In einem Brief teilte das Unternehmen Bir­git Berg mit, das spätere Fahrten derzeit "auf Grund der hohen fi­nanziellen Aufwendungen nicht möglich" seien. Es würden   dafür zwei Fahrer sowie ein Mitarbeiter als Bahnaufsicht benötigt. Hinzu käme, dass die Bahn nur alle 15 Minuten maximal 40 Personen transportieren könne. Deswegen ziehe es der Großteil der Besucher vor, ins Tal ZU laufen. Ein Bus-Shuttle-Service: sei hingegen wegen der parkenden Fahrzeuge am Neroberg auch vom Veranstalter als "nicht umsetzbar" ein­gestuft worden. Der Veranstalter hätte auch mitgeteilt, dass eine Genehmigung der russischen Ge­meinde, . deren Platz als Shuttle­ Haltestelle zu nutzen, "nicht zu erwarten sei", Deswegen gebe es aus Sicht von Eswe derzeit; kei­ne funktionierende Lösung".

Keine konkreten Pläne gibt weiterhin für die Haltestelle Platz der deutschen Einheit in der Bleichstraße. Dort gibt es regel­mäßig Beschwerden wegen der Enge. Eswe stellt nun klar, dass man sich ausdrücklich für eine Verbreiterung des Bürgersteigs einsetze. Der Umbau aber sei Aufgabe der Stadt.

Quelle: Wiesbadener Kurier, 05.06.2018